Stuttgarter Nachrichten v.11.09.2014 : Sport vor Ort - Spieler wechsle dich

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WFV erneuert Auswechsel-Regelung in den untersten Spielklassen - Von der Bank zurück aufs Feld.
Der Württembergische Fußballverband (WFV) gibt sich als Reformator: In der Kreisliga B und darunter dürfen ab dieser Saison ausgewechselte Spieler wieder eingewechselt werden. Der Verband will damit den Spielbetrieb in den untersten Klassen erhalten.
Stuttgart Die K.-o.-Phase der WM 2014 war ein echter Marathon - nicht nur für die Fernsehzuschauer, die oft bis spät in die Nacht vor den TV-Geräten ausharren mussten, sondern auch für die Spieler. Acht der 16 Ausscheidungsspiele gingen in die Verlängerung. Ein kräftezehrendes Unterfangen. Grund genug für die Fifa, nach der WM zu vermelden, dass eine Regeländerung bezüglich der Auswechslungen angedacht ist: Künftig soll bei großen Turnieren eine zusätzliche Auswechslung möglich sein, wenn das Spiel in die Verlängerung geht. Das ist aber noch Zukunftsmusik.
Der WFV ist indes schon einen Schritt weiter. Hier wurden vor der Saison 2014/15 Nägel mit Köpfen gemacht und die Auswechsel-Regelung verändert. In den untersten Spielklassen des jeweiligen Bezirks ist es fortan erlaubt, ausgewechselte Spieler wieder einzuwechseln. Das heißt, ein Spieler kann vom Trainer auf die Bank beordert werden, sich dort eine kleine Verschnaufpause gönnen und anschließend wieder aufs Spielfeld zurückkehren. Das Wechselkontingent von drei Spielern wird nicht erhöht.
'Wir sehen in dieser Maßnahme eine Lockerung', sagt Martin Kling, der beim WFV für den Spielbetrieb zuständig ist. Pressesprecher Heiner Baumeister spricht von einer 'Flexibilisierung des Spielbetriebs'. Im Grunde geht es dem WFV um die Tatsache, dass vor allem in ländlichen Regionen viele Vereine Probleme haben, genügend Spieler für eine Mannschaft zusammenzubekommen. 'Wir wollen die breite Masse im Fußball erhalten', sagt Kling und ergänzt: 'In manchen Gegenden herrscht ein akuter Spielermangel. Da werden die Kader einzelner Teams oft mit älteren Spielern aus der AH-Mannschaft aufgefüllt, die ab und zu mal eine kleine Verschnaufpause brauchen.'
Auch Harald Müller, Vorsitzender des Bezirks Stuttgart, findet die Neuerung gut: 'In Stuttgart gibt es Mannschaften, die mit Mühe und Not genügend Spieler zusammenkratzen', betont Müller, 'natürlich gibt es auch Vereine, auf die das nicht zutrifft. Aber das ist eher der kleinere Teil.' Auch die Anzahl der Spielabsagen im Bezirk in den vergangenen Jahren hätte gezeigt, dass einige Mannschaften Schwierigkeiten haben. Erst vor kurzem zogen der SV Fasanenhof II, der SV Stuttgart 09 II und der TSV Steinenbronn III ihre Teams vom Spielbetrieb zurück. Das Problem besteht also nicht nur in bevölkerungsschwachen Regionen.
Die neue Auswechsel-Regel wird zur Saison 2014/15, die an diesem Wochenende für die Kreisligisten beginnt, fest verankert. Auch weil der sogenannte DFB-Masterplan, der schrittweise umgesetzt wird, den Erhalt der untersten Klassen anstrebt.
Von den Vereinen habe es bisher nur 'positive Rückmeldungen' gegeben, heißt es beim WFV. Auch Bezirkschef Harald Müller meint, dass das Gros der Clubs die neue Regel gut annehme. 'Natürlich haben die besseren Mannschaften Bedenken, dass die Regel zum Zeitschinden missbraucht wird', sagt Müller und verweist auf eine Sorge, die es auch beim Verband gab, aber zerstreut wurde. Martin Kling vom WFV nimmt bei der Lösung des Problems die Schiedsrichter in die Pflicht und hofft, dass sie die neue Regel großzügig auslegen: Sie sollen Wechsel, die offensichtlich nur zum Zeitschinden in der Schlussphase eines Spiels dienen, auch mal unterbinden. Dass sich die Vereine, die am Ende der Saison aus den untersten Ligen aufsteigen, wieder auf eine andere Regel einstellen müssen, sieht man beim WFV ebenfalls als wenig problematisch: 'Die Aufsteiger sind personell so gut besetzt, dass sie sich ohne Probleme auf die veränderten Bedingungen einstellen können', sagt Kling.
Letztlich lässt sich die Frage nach der Wechsel-Regel auch auf eine generelle Bewertung des Fußballs in den untersten Klassen herunterbrechen. Für den WFV steht die Lust an der Bewegung und nicht der Wettkampfcharakter hier im Vordergrund. Deshalb ist auch eine Ausweitung der Regel auf höhere Klassen nicht vorgesehen - vorerst.
   

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